NEUROPATHIE
alkoholische, degenerative, toxische, metabolische, ischämische,
infektiöse Neuropathie
Die Neuropathie ist auf eine Nervenschädigung zurückzuführen. Im eigentlichen Sinne des Begriffs "Neuropathie" werden aber hauptsächlich folgende Formen unterschieden:
degenerative (= funktionelle Abweichungen von der Norm im Sinne einer Funktionsminderung) Neuropathie
toxische / alkoholische (= durch Gift bedingte) Neuropathie
metabolische (= stoffwechselbedingte) Neuropathie
ischämische (= infolge einer Durchblutungsstörung) Neuropathie
infektiöse (= durch Ansteckung, Übertragung erworbene) Neuropathie
1) Die degenerative Neuropathie
spielt in der Schmerztherapie eine untergeordnete Rolle.
Dazu gehören u.a.
Erbkrankheiten, im weitesten Sinne aber z.B. auch die Alzheimer Erkrankung.
2) Die toxische Neuropathie läßt sich in zwei Formen untergliedern:
Exo toxische (= durch von außen zugeführte Gifte bedingte) Neuropathie. Ursache können Medikamente (Vinca-Alkaloide, Nitrofurantoin u.a.m.) sowie Gewerbegifte sein. Auch übermäßiger Alkoholgenuß kann zur einer toxische n bzw. alkoholische n Neuropathie führen.
Endo toxische (= durch Gifte, die im Körper selbst entstehen, verursachte) Neuropathie. Hier wäre die Porphyrie (= erblicher Enzymdefekt oder erworbene Stoffwechselstörung mit Schädigung des blutbildenden Systems) und die Urämie (= Harnvergiftung) anzuführen.
3) Die metabolische (= stoffwechselbedingte) Neuropathie entsteht bei Diabetes mellitus durch Bildung von Ketone (= Kohlenwasserstoffderivate). Da solche Ketone für die Ner ven ja auch ein "Gift" darstellen, könnte diese metabolische Neuropathie letztlich auch als toxische Neuropathie bezeichnet werden.
4) Eine häufig
unterschätzte Komplikation der schweren peripheren arteriellen
Verschlusskrankheit (pAVK) stellt die ischämische Neuropathie dar. Bei
der klinischen Symptomatik treten motorische Defizite (=
Muskelschwäche) gegenüber Schmerzen und Sensibilitätsstörungen
zurück. Überwiegend handelt es sich um asymmetrische (=
ungleich verteilte), nur die Be ine
betreffende Manifestationstypen.
Alle Nervenfaserklassen sind betroffen. Neben der ischämische n Neuropathie
findet sich häufig die Kombination mit einer diabet ische n Neuropathie,
gekennzeichnet durch klinische und neurophysiologische Unterschiede (mod.
n. Deutsches Ärzteblatt 97, Ausgabe 42).
Die diabetische
Mono - Neuropathie
(= Neuropathie eines einzelnen
Nervs) führt zu Ausfällen im Bereich einzelner Hirnnerven
(Augenmuskel-, Facialisparese (= Lähmung des Gesichtsnervs,
dadurch Lähmung der Gesichtsmuskeln)), aber nicht infolge von
metabol
ischen
(= stoffwechselbedingten)
Störungen oder Schädigungen, wie zu vermuten wäre, sondern durch
Mikroinfarzierungen (= winzige, höhergradige
Durchblutungsstörungen).
5) Die infektiöse
(= durch Ansteckung,
Übertragung erworbene) Neuropathie
kann durch einen Zeckenbiß entstehen (Lyme-Borreliose,
Ehrlichiose).
Eine Nervenstörung
oder -schädigung infolge einer Virusinfektion liegt
auch bei der sog. pos
tzosterischen Neuralg
ie (Zoster-Neuralgie)
vor. Vorausgegangen ist die Herpes
zoster
-Erkrankung, eine neurodermale (= Ner ven
und Haut betreffende)
Infektionskrankheit. Der Erreger ist der Her pes-Varizellen-Virus.
Der Name Zos ter
kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Gürtel“ entsprechend der
gürtelförmigen Hautausbreitung am Körperstamm. Aus diesem Grund wird die
Krankheit auch als Gürtelrose
bezeichnet.
Der Her pes
zos ter
befällt
überwiegend die Nervensegmente der unteren Brustwir belsäule, seltener den
Gesichts- bzw. Kop fbereich
(Zoster
ophthalmicus, Zoster
oticus).
Die Her pes
zos ter
-Erkrankung beginnt mit brennenden, juckenden Ner venschmerzen im Bereich
der befallenen Nervensegmente und geht mit Sensibilitätsstörungen einher. Schon
die Ber ührung
der Haut im befallenen Bereich verursacht starke Ner venschmerzen
(eine sog.
Allodynie). Einige Tage später bilden sich Hauterscheinungen wie rote
Flecken, Pusteln und Papeln aus. Diese sog. Effloreszenzen heilen in der Regel
nach 2 - 4 Wochen ab und normalerweise verschwinden dann auch die Schmerzen
wieder.
Wenn die Nervenschmerzen die Hauterscheinungen des Her pes
zos ter
überdauern, meistens nach 4-6 Wochen, dann ist die Krankheit in eine
Zoster-Neuralgie ((postzosterische
Neuralgie
(PZN)) übergegangen.
Der Schmerzcharakter bei dieser Neuropathie
wird von den Patienten
uneinheitlich beschrieben: anhaltend tief drückend oder brennend, blitzartig
einschießend, stechend und brennend. Teilweise liegt auch eine Al lodynie
(= Schmerzauslösung durch an sich nicht
schmerzhafte Reize, z.B. Kleidung)
vor.
Patienten mit einer Neuropathie
klagen i.d.R. über brennende Dauerschmerzen im
Versorgungsgebiet peripherer (= mehr
oberflächlicher) Ner ven,
Paräst hesien
(= Fehlempfindungen),
Hyperästhesien und
Hyperpathie
n (=
gesteigerte Berührungsempfindlichkeiten) bis hin zu
Allodynie (=
Berührungsschmerz),
Druckschmerzhaftigkeit von Ner ven
und Mus keln sowie evtl. über motorische
(= die Muskelfunktion betreffende)
Reizerscheinungen (Cram pi) (Gerstenbrand et Rumpl 1988).
Charakteristisch sind socken- bzw. handschuhförmige Sensibilitätsstörungen
(= Störungen der Empfindlichkeit).
Die Behandlung einer Neuropathie (alkoholische, degenerative, toxische, metabolische, ischämische, infektiöse) erfolgt in erster Linie kausal, also der Ursache entsprechend: bei Diabetes mellitus (metabolische Neuropathie) Optimierung der Zuckereinstellung, bei toxische r Neuropathie Verzicht auf „Nervengifte“ wie z.B. Alkohol.
Symptomatische (= auf die
Krankheitszeichen ausgerichtete)
Therapie:
Bei der metabolische n Neuropathie (diabet ische) führt die
Thioctsäure (alpha-Liponsäure) zu einer Reaktivierung
des Multienzymkomplexes und möglicherweise zur Bindung diabet ischer Ketone.
Das Antidepressivum Duloxetin (Cymbalta®),
ein Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer, ist auch zur
Schmerztherapie bei einer d
iabetische n
Neuropathie
zugelassen worden.
Neurotrope Vitamine (=
„Nervenvitamine“):
Die mehr oder
weniger hochdosierte Verabreichung neurotroper Vitamine ist bei
Neuropathie
allgemein üblich. Leider führt diese Therapiemaßnahme in den wenigsten Fällen zu
einer Verbesserung.
Gegen die Schmerzen bei einer Neuropathie wirken am besten
sog. Antiepileptika (= eigentlich Mittel gegen die Fallsucht,
aber auch bei Neuropathie hilfreich). Als erste
Wahl gelten heute Gabapentin (Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®), als 2. Wahl Carbamazepin (z.B.
Tegretal®).
Analgetika (=
Schmerzmittel):
Eine Neuropathie (alkoholische,
degenerative, toxische,
metabolische, ischämische,
infektiöse) ist in der Regel durch Schmerzmittel
nur schwerlich günstig zu beeinflussen. Am ehesten ist noch ein Effekt von
zentral wirksamen Analgetika (=
Schmerzmittel die im Rückenmark / Gehirn wirken)
zu erwarten. Aus diesem Grunde ist es nicht möglich, ein sicher wirksames
Medikament zu empfehlen.
Eine Kombination aus Metamizol (z.B. Novalgin®) und
Chinin soll bei Neuropathie
relativ zuverlässig schmerzlindernd sein. Ein Gemisch aus Uridin-
und Dinatriumsalze (Keltican®) kann versucht werden.
Wiederholte Nervenblockaden
bei
Neuropathie
(alkoholische,
degenerative, toxische,
metabolische, ischämische,
infektiöse):
Die
wiederholte Blockierung (Betäubung) der korrespondierenden Nervenleitungen mit
einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B.
Bupivacain) hat sich bei
Neuropathie sehr bewährt, optimal ist diese Behandlung
in Form kontinuierlicher Blockaden mit eingepflanztem Katheter*. Dabei kommt es neben der (erwünschten) Hemmung der
Schmerzreizleitung gleichzeitig zu einer Blockade vegetativer (sympathischer)
Faseranteile, woraus eine sehr deutliche Mehrdurchblutung im korrespondierenden
Gewebebereich resultiert, die jedem entzündlich/degenerativen Prozess nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist diese Behandlung z.B. bei
Neuropathie nicht nur
symptomatisch, sondern auch kurativ
(= auf die Ursache ausgerichtet).
Wenn chronische Schmerzen aufgrund einer Neuropathie (alkoholische, degenerative, toxische, metabolische, ischämische, infektiöse) längerfristig bestehen, ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche intensive Blockadebehandlung auch das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen.
Aktualisiert: k 17.11.05
A
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B
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C
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I
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P
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Periarthritis
humeroscapularis,
Periostitis,
Periphere arterielle
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Q
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Zu allgemeinen und therapiebezogenen Schmerzthemen gelangen Sie
Links zu empfehlenswerten Einrichtungen:
www.norderney-insel-hotel.de/norderney-hotel
www.norderney-insel-hotel.de
Schmerzklinik:
www.schmerzklinik-1.de
Seniorenhotel:
www.senioren-hotel.com
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